Einführung in das Thema Breitband und Glasfaser

Schnelles Internet? Breitband? Glasfaser? - Ein Überblick

Grundsätzlich gibt es keine feste Definition, wie schnell denn "schnelles Internet" ist. In 2022 hat die Bundesnetzagentur hinsichtlich des "Rechts auf schnelles Internet" eine Mindestbandbreite von 10 Mbit/s im Download vorgeschlagen, während einige Bundesländer 30,8 Mbit/s fordern.

Persönlich würde ich sagen, dass Stand 2022 eine Downloadgeschwindigkeit von 50 Mbit/s als "ausreichend" bezeichnet werden kann, wobei es immer auf die jeweiligen persönlichen Anwendungsfälle (privat/geschäftlich, Homeoffice-Tätigkeit, Video-Streaming...) ankommt.

Kupferkabel / Vectoring / FTTC

Klassische Telefon- und Internetanschlüsse wurden über Kupferkabel von der Vermittlungsstelle bis in die Haushalte realisiert, d.h. die Signale werden per elektrische Impulse übertragen. In der Vermittlungsstelle ist mit dem DSLAM (Digital Subscriber Line Access Multiplexer) auch das Gegenstück zum Router in den Haushalten angesiedelt. Dies sind die klassischen DSL-Anschlüsse. DSL ermöglicht eine Geschwindigkeit von bis zu 16 Mbit/s im Download, bei einer Entfernung von bis zu mehreren Kilometern zwischen Vermittlungsstelle und Kunden.

Mit VDSL (=Very High Speed Digital Subscriber Line) werden Übertragungsraten von bis zu 50 Mbit/s möglich, welche jedoch ab ca. 500 m Entfernung bereits nachlässt. Mit dem zusätzlichen Einsatz von Vectoring-Technologie, die elektromagnetische Störungen aus der Leitung herausfiltert, sind Übertragungsraten von bis zu 100 Mbit/s möglich, bei Super-Vectoring bis zu 300 Mbit/s.

Aufgrund der mit zunehmender Entfernung nachlassenden Geschwindigkeit können nur Anschlüsse im Umfeld einer Vermittlungsstelle davon profitieren.

Hier kommt die erste Stufe des Breitbandausbaus ins Spiel: mit der Verlagerung aktiver Technik in die Verteilerkästen am Straßenrand kommt die Technik näher zu den Kundenanschlüssen. Die Verteilerkästen - nach Ausbau Multifunktionsgehäuse bzw. MSAN (Multi Service Access Node) genannt - werden dabei per Glasfaserkabel mit der Vermittlungsstelle verbunden. Dies ist dann FTTC - fiber to the curb - Glasfaser bis zum Straßenrand. Spätestens mit dem Super-Vectoring werden jedoch die physikalischen Möglichkeiten des Kuperkabels ausgereizt.

Leider sprechen Anbieter auch hier oft von "Glasfaserausbau". Zwar nicht falsch, aber auch nicht ganz richtig, denn...

Glasfaseranschluß bis in Haus oder in die Wohnung

Die nächste Strufe ist, Glasfaserkabel direkt bis ins Gebäude (FTTB - Fiber to the Building) bzw. in die Haushalte (FTTH - Fiber the the Home) zu verlegen. Hiermit werden grundsätzlich unbegrenzte Übertragungsgeschwindigkeiten möglich. In Deutschland werden für Privatkunden Stand 2023 primär Glasfaseranschlüsse mit bis zu 1 Gbit/s (=1000 Mbit/s) vermarktet.

Internet über den (Fernseh-)Kabelanschluss (Hybrid-Fiber-Coax-Netze (HFC))

Von "Kabel-Internet" (Achtung, Verwechslungsgefahr) spricht man grundsätzlich dann, wenn die Anbindung über den (Fernseh-)Kabelanschluss, d.h. per Koaxialkabel, realisiert wird. Hier können zwar über die bestehende Infrastruktur in den Haushalten Übertragungsraten von bis zu 1000 Mbit/s erreicht werden und es wird auch oft von "Glasfaser" gesprochen, jedoch sind zwei Dinge zu beachten:

1. Das Glasfaserkabel wird nur bis zu den Straßenverteilern gelegt, nicht bis in die Haushalte (FTTC - siehe oben)

2. Die Kapazitäten teilt man sich mit anderen Kunden, d.h. je nach Netzstruktur kann die zur Verfügung stehende Datenrate stark sinken, insbesondere wenn viele Kunden gleichzeitig online sind.

Was bedeutet nun "gigabitfähig"?

Die Auslegung, was "gigabitfähig" ist, ist wichtig, wenn es beispielsweise um staatliche Förderprogramme geht. Gigabitfähig bedeutet, dass Übertragungsgeschwindigkeiten von bis zu 1000 Mbit/s möglich sind. Damit gelten auch HFC-Anschlüsse als gigabitfähig.

In der Folge fallen viele Gebiete aus den Förderprogrammen für "Gigabit-Ausbau" raus, obwohl mit den HFC-Anschlüssen in der Praxis oft nur deutliche niedrigere Geschwindigkeiten erreicht werden können. Beim Upload werden derzeit sogar nur bis zu 50 Mbit/s erreicht, während bei Glasfaseranschlüssen sogar symmetrische Geschwindigkeiten, d.h. Upload = Download (und das bis zu 1000 Mbit/s), erzielt werden können.

Daher sind nach derzeitigem Stand der Technik nur echte Glasfaser-Anschlüsse für zukünftige Bedarfe gerüstet. Der Branchenverband BREKO hat ein Qualitätssiegel "Echte Glasfaser für Deutschland" ins Leben gerufen und schreibt auf seiner Website:

"Der Ausdruck „echte Glasfaser“ steht für Glasfaserleitungen bis in die Gebäude (FTTB) und Wohnungen (FTTH). Beim sogenannten FTTH = Fiber to the Home besteht die Leitung vollständig aus Glasfaserkabel. Da nur Glasfaser die hohen Bandbreiten übertragen kann, ist nur eine vollständige Glasfaserleitung eine „echte“ Glasfaserleitung.

Bei der Abkürzung FTTC (Fiber to the curb) geht die Glasfaserleitungen nur bis ins Gebäude oder sogar nur bis zum Anschlusskasten in der Straße, nicht bis zu jedem einzelnen Nutzer. Ein Teil der Leitung besteht dann noch aus alten Kupfer- oder TV-Kabeln. Jede Leitung ist nur so schnell wie ihr langsamster Bestandteil, die Vorteile von Glasfaser können also nicht voll genutzt werden."

Förder-Check: Förderung über die Gigabitrichtlinie?

Kann der Ausbau von Anschlüssen in städtischen Siedlungsgebieten, die bisher unterversorgt sind, auch staatlich gefördert werden?

Nehmen wir folgenden Fall: Anschluss im Stadtgebiet einer Kleinstadt, der von der Telekom nur mit 60 Mbit/s im Download und 10 Mbit/s im Upload versorgt werden kann. Zudem besteht ein Anschluss an das Kabelfernsehnetz mit bis zu 1000 Mbit/s im Download und 50 Mbit/s im Upload.

Bayerische Gigabitrichtlinie

Mit der neuen Gigabitrichtlinie kann Bayern auch die Beschleunigung von Anschlüssen in grauen NGA-Flecken fördern, also Bereiche wo bereits schnelles Internet mit mind. 30 Mbit/s durch einen Netzbetreiber verfügbar ist.

Förderfähig
Adressen (amtliche Hauskoordinaten) in
"weißen NGA-Flecken" (kein Netzbetreiber bietet mind. 30 Mbit/s) KRITERIUM NICHT ERFÜLLT und
"grauen NGA-Flecken" (nur ein Netzbetreiber bietet mind. 30 Mbit/s) KRITERIUM NICHT ERFÜLLT.
Gewerbliche Anschlüsse, soweit noch nicht mit mindestens 200 Mbit/s im Down- und Upload versorgt. KRITERIUM ERFÜLLT (keiner der Techniken erreicht >50Mbit/s im Upload)
Private Anschlüsse, soweit noch nicht mit mindestens 100 Mbit/s im Download versorgt. KRITERIUM NICHT ERFÜLLT (Koax-Kabel erreicht >100 Mbit/s)
Anschlüsse, die bereits über mehr als 500 Mbit/s im Download verfügen, sind nicht förderfähig. KRITERIUM NICHT ERFÜLLT (Koax-Kabel erreicht >500 Mbit/s, es stellt sich aber die Frage, wie zuverlässig das ist)

Förderziel
mindestens 1 Gbit/s im Down- und Upload für gewerbliche Anschlüsse,
mindestens 200 Mbit/s im Down- und Upload für private Anschlüsse

Fazit: obwohl in dem Beispiel das Förderziel nicht erreicht wird, ist der Anschluss nicht förderfähig.

Breitbandförderung des Bundes

Das Förderprogramm wurde 2022 gestoppt, jedoch 2023 neu aufgelegt.

Laut Angaben von 2022 sind alle Anschlüsse, denen im Download weniger als 100 Mbit/s zuverlässig zur Verfügung stehen (sogenannte graue Flecken), förderfähig. Ab 2023 gibt der beihilferechtliche Rahmen die Möglichkeit, ohne Aufgreifschwelle auch Haushalte zu fördern, die bereits mit 100 Mbit/s versorgt sind.

Mit dem Ausdruck "zuverlässig zur Verfügung" könnte man meinen, dass Kabelfernsehnetze aufgrund seiner Eigenschaft als "shared medium" nicht gezählt werden.

Blickt man jedoch in die Details der Förderrichtlinie, so sind "Gebiete, die mit HFC-Netzen oder FTTB/H-Netzen ausgestattet sind, nicht förderfähig. Der Ausbau in Gebieten, in denen bereits zwei NGA-Netze vorhanden sind (schwarzer Fleck), ist nicht förderfähig".

Fazit: nicht förderfähig

Brauche ich Glasfaser?

Gute (und aus meiner Sicht meist auch richtige) Argumente für einen Glasfaseranschluss finden sich auf den Websites der einzelnen Anbieter.

Zwei Argumente möchte ich hervorheben.

1. Auch wenn die persönlich zur Verfügung stehende Bandbreite heute noch ausreicht, mag sie in ein paar Jahren vielleicht nicht mehr ausreichen. Daher sollte man die Chance, im Rahmen des Ausbaus kostenlos einen Glasfaseranschluss gelegt zu bekommen, unbedingt wahrnehmen.

2. Das Kupfer-Kabelnetz wird störanfälliger. Aus eigener Erfahrung kann ich berichten, dass mit der zunehmenden Verbreitung elektrischer Geräte, dem schlechter werdenden Straßenzustand (Wassereinbrüche in die Kabel etc.) die Störfaktoren für Kupfernetze zunehmen. Daher geht es bei Glasfaser nicht nur um höhere Geschwindigkeit, sondern auch um Netzstabilität und Störsicherheit.

Man muss auch nicht zwingend eine höhere Bandbreite buchen, obwohl man einen Glasfaseranschluss hat. Es ist doch gut zu wissen, dass der Anschluss noch Reserven hat...   

Was sind die Ziele von Regierung und Netzbetreibern?

"Die Bundesregierung hat sich das Ziel gesetzt, einen flächendeckenden Ausbau mit Gigabit-Netzen bis zum Jahre 2025 zu erreichen." (Quelle).

Gemäß der Website der Bundesregierung ist es "Ziel der Bundesregierung, bis Ende 2025 die Glasfaseranschlüsse zu verdreifachen. Dann sollen 50 Prozent der Haushalte und Unternehmen über Glasfaser an das Netz angeschlossen sein. (...) Das ist aber nur der erste Schritt. Bis zum Jahr 2030 will die Bundesregierung Glasfaser bis ins Haus und den neuesten Mobilfunkstandard überall dort, wo Menschen leben, arbeiten oder unterwegs sind. Das bezieht sich ganz besonders auf den ländlichen Raum. Um das zu erreichen, wurde nun die Gigabitstrategie auf den Weg gebracht." (Quelle)

Hier wird der oben beschriebene Unterschied zwischen "Gigabit" und "Glasfaser" deutlich. Die Ziele sind also:

  1. Flächendeckend Gigabit-Netze bis 2025, 50% Glasfaser ins Haus
  2. Flächendeckend Glasfaser ins Haus bis 2030

Für das Bundesland Bayern wurde im Oktober 2022 ein "Pakt Digitale Infrastruktur" geschlossen (Quelle).

Ziele:

  1. Mit dem „Pakt Digitale Infrastruktur“ sollen bis 2025 flächendeckend gigabitfähiges Internet und hochleistungsfähige Mobilfunknetze zur Verfügung stehen.
  2. Bessere Breitbandversorgung: Zusätzliche 3,1 Millionen Haushalte sollen bis 2025 die Möglichkeit einer Glasfaseranbindung erhalten.

Glasfaser-Ziele der Deutschen Telekom

"Das Ziel ist es, dass bis 2030 alle 41,5 Millionen Haushalte in Deutschland einen FTTH-Anschluss bekommen können. Ein Großteil davon kommt von der Telekom. Aber auch der Wettbewerb muss seinen Beitrag leisten. Allein bis Ende 2024 will die Telekom zehn Millionen Haushalten einen FTTH-Anschluss ermöglichen, ab diesem Zeitpunkt kommen dann weitere 2,5 Millionen Haushalten pro Jahr hinzu". (Quelle, Artikel vom 14.3.2022)

Bis Ende 2022 Ausbau von 2 Mio. und damit 5,2 Mio. Anschlüsse insgesamt

2023 Ausbau von 2,5 bis 3 Mio. Anschlüssen

2024 soll es insgesamt 10 Mio. FTTH-Anschlüsse geben

Fortsetzung folgt...

Status Glasfaserausbau Deutschland

Zahlen von BREKO: